19.07.2006
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Sieben Bettys für Juckenack
Das „Theater am Carlo“ spielt ein Stück des vergessenen José Rehfisch
TÜBINGEN
(le). Die Theater-AG des Carlo-Schmid-Gymnasiums führt in Kooperation
mit der Pestalozzi-Schule die Tragik-Komödie „Wer weint um Juckenack?“
auf. Das Stück von José Rehfisch ist heute und morgen im Gymnasium in
Derendingen zu sehen.
Sieben Bettys werben um Juckenack (Lasse Everding) – der steht der Zuwendung skeptisch gegenüber.Foto: Sommer
„Das
ist ein Jedermann-Thema“, beschreibt Birgit Wahl-Bucka, Lehrerin am
Carlo-Schmid-Gymnasium und Leiterin der Theater AG „Theater am Carlo“,
den Inhalt. Der Hauptakteur des als Komödie aufbereiteten Stücks ist
Doktor Paul Juckenack – ein ungeliebter Jurist, der früh an einem
Herzanfall stirbt. Der „Übergang“ ins Totenreich bleibt Juckenack
verwehrt, und das „Weltgericht“ schickt ihn zurück ins Diesseits. Er
darf erst sterben, wenn sein Tod von einer Menschenseele beweint wird.
Damit Juckenack jemanden findet, der um ihn trauert, wandelt er sich
zum gutmütigen Gönner.
Die Essenz des Stückes: „Man muss selbst
lieben, um geliebt zu werden“, so Wahl-Bucka. Zunächst versucht
Juckenack sich seine „Beweiner“ mit Geld zu erkaufen. Die freizügige
Betty beschenkt er reich, und sie verliebt sich in ihn. Erwidern will
Juckenack die Liebe jedoch nicht, und er versteht erst in letzter
Sekunde auf was es im Leben ankommt.
Der Autor José Rehfisch
(1891-1960) war von Beruf Jurist und links-kritischer Schriftsteller in
Berlin. 1933 wurde der jüdische Autor vom Naziregime verhaftet, 1936
emigrierte Rehfisch. „Wer weint um Juckenack“ hatte 1925 seine
Premiere. Im Dritten Reich gehörte Rehfisch zu den „verbrannten
Autoren“, weswegen er in der Folgezeit in Vergessenheit geriet. 19
Schülerinnen und Schüler, darunter vier Förderschüler der
Pestalozzischule, proben seit Weihnachten die Komödie mit dem
theologisch-philosophischen Hintergrund. Die Rolle der Betty ist gleich
siebenmal besetzt, was dem Stück eine besondere Dynamik verleiht. Die
Bettys spielen auf einer Metaebene und schicken sich gegenseitig auf
die Bühne. Mit dem Lolita-artigen Frauenbild, das Betty verkörpert,
waren die Schüler nicht zufrieden. „Deshalb haben wir bewusst mit der
Rolle gebrochen“, so Wahl-Bucka.
Lasse Everding ist Paul
Juckenack. Der Siebtklässler spielt mit Einsatz und Enthusiasmus, sein
gewolltes Erwachsensein verleiht dem Stück herrliche Momente. „Meine
Lieblingsszene ist das Ende. Hier falle ich theatralisch um und
sterbe“, so Everding. Die Frage ob es trotzdem ein Happy End gibt, wird
heute um 11.15 Uhr (öffentliche Generalprobe) und morgen 11.15 Uhr und
20 Uhr im CSG (Raum 1.34/1.35) beantwortet. Der Eintritt ist frei.
Text:
tagblatt online Online-Redaktion:
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